Planlos durch die Stadt, dafür mit einer Idee

Lesedauer: etwa 4 Minuten

Nach dem letzten Blogbeitrag und der darin beschriebenen unplanmäßigen Planänderungen während meiner Touren wurde ich gefragt, ob diese spontan kommen. Ich antwortete, dass ich mit einer Art groben Route im Kopf losgehe, aber diese schnell über den Haufen werfe. Es ist weniger ein Plan, sondern eher eine Idee. Ich setze mir einen Zielpunkt, der Weg dahin weicht jedoch häufig von dem ab, wie ich ihn mir vorstellte. Und dieser ist meines Erachtens weitaus spannender als durchgetaktete Spaziergänge. Schritt für Schritt, Straße für Straße, Ecke für Ecke die Stadt für sich einnehmen.

Belvedere
Heumarkt
Heumarkt

Das birgt immer die „Gefahr“ der Orientierungslosigkeit, doch wozu hat man das Smartphone und Google Maps dabei?

So fasste ich die grobe Idee, die Innere Stadt zu erkunden. Da mein Apartment im Fasanviertel nahe Belvedere ist, empfiehlt es sich, dies als willkommenen Abstecher zu nehmen. Über den Heumarkt ging es klassisch weiter zum Karlsplatz und von dort in die berühmte Kärtner Straße Richtung Stephansdom. Viele Menschen, ausgetrampelte Pfade, beliebige Umgebung. Wurde schon millionenfach beschritten und langweilte mich schnell. Also bog ich ab und entdeckte wunderschöne Galerien, Märkte und malerische Plätze. Und ein weiteres Ziel für einen potentiellen Abendspaziergang: An der Verbundzentrale las ich auf einem kleinen Schild, dass dort jeden Abend die Kunstinstallation des dänischen Künstlers Olafur Eliasson „Yellow Fog“ stattfindet, bei der das Haus in – oh, Überraschung! – gelben Nebel gehüllt wird. Kommt auf die Liste.

Gasse
Markt

Hallo Josefstadt

Auf einmal stand ich am Schottentor. Nanu, den Platz mit der Votivkirche und dem Sigmund-Freud-Park kennst du doch?! Genau, ganz in der Nähe residierte ich vor ziemlich genau drei Jahren. Kurz inne haltend ging ich schließlich die Alser Straße entlang und fand auch besagte Herberge. Das Viertel hatte ich in guter Erinnerung – Josefstadt, jetzt bist du wieder mein. Gestärkt mit einer subwayesken Waldviertler („Senf oder Ketchup?“, „Hot Dog oder Semmel?“, „Zusätzlich Kren?“, „Mit Zwiebeln?“, „Zahlen’s bar oder mit Kartn?“) und der Begegnung eines grantligen Tabakverkäufers lauschte ich brasilianischem Jazz – eine Erfahrung, die man nur maximal fünf Minuten aushält – ehe die Reise weiterging gen Süden.

Würstlstand
Josefstadt
Josefstadt
Josefstadt

Maria, hilf mir!

Die Mariahilfer Straße verließ ich aus besagten Gründen genauso schnell wie die oben genannte Kärnter Straße, sondern war stattdessen mittendrin im umschließenden Grätzl (wienerisch für „Stadtteil“, wie ich lernte), wo sich Wien noch einmal von seiner wahren Pracht zeigt.

Mariahilf
Mariahilf
Mariahilf

Über den Naschmarkt, der mangels Besuchern und fehlenden Touristen ein ziemlich trauriges Bild abgab, schloss sich der Kreis, als ich wieder am Karlsplatz landete und nach einem Dosenbier den Heimweg antrat. Natürlich nicht ohne einen Umweg über den Belvederegarten und dem Gang zu „meinem“ Billa, wo ich mittlerweile mit einem Grinsen begrüßt werde – sofern das unter der Maske überhaupt möglich ist. Nächste Woche tauche ich mal in den richtigen Alltag ein: Ein Friseurbesuch steht an und ich freue mich jetzt schon auf den Wiener Schmählltalk.

Naschmarkt
Kalrskirche
Belvedere
Belvedere

2 Comments

  1. Hippe 20. September 2020

    Friseur in Wien?? OK.. wenn’s gut aussieht..

    Und wie du das wieder alles verfasst hast.. genial.
    Man freut sich auf mehr..

    LG die hippe

  2. Olaf 20. September 2020

    Nächste Woche zum Friseur…???
    Welch wunderschön verfaßter Ausflug, mit der entsprechenden Antwort auf letzte Fragestellung.
    Die Stadt scheint es in sich zu haben

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