Ljubljana, du Schöne!

Lesedauer: etwa 7 Minuten

4:25 Uhr. Aus dem Telefon säuselt leise der Ton „Erwachen“. Er wird immer lauter, als ob der Scholl Hornhautraspler quer durch’s Gebälk fährt. Nee, oder? Um diese Uhrzeit? Ein kurzer Realitätscheck ergab: Ljubljana is calling und der Flieger wartet nicht. Und so machte sich die schlaftrunkene Truppe auf, kam 45 Minuten vor Abflugzeit an der Sicherheitskontrolle an und durfte als eine der Letzten die sechste Reihe der easyJet-Maschine gen Slowenien einnehmen.

7:30 Uhr. Dobrodošli v Ljubljan, schellte es durch die Bordlautsprecher. Die Ausläufer der Alpen vor sich liegend, wurde der GoOpti-Bus gen Innenstadt bestiegen – ein wahrer Geheimtipp der Herbergsmutti: Für schmale 10 Euro wird man mit anderen 7 Reisenden in einen hocherwärmten Kleinbus gesetzt, um diese Insassen nach etwa einer halben Stunde am zentralen Hauptbahnhof herauszuwerfen. Schrieb ich zentral? Nun ja, etwa 15 Minuten sollte man zu Fuß noch einplanen, um am Fuße der Burg zu stehen. Alles kein Problem. Denn da die Herberge erst um 15 Uhr bezogen werden konnte, wurde das Gepäck kurzerhand in die 31 43 eingeschlossen und die Gang schlug den Gang gen (Ljubljanski) Grad ein.

Gestärkt mit fettigem Spinat-Schafskäse-Börek präsentierte sich die Stadt zunächst menschenleer – schließlich war es 8:30 Uhr morgens – einzig zahlreiche Truppen aus Kindergartenkindern bewandertagten die City.

Ljubljana
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Dem ersten Eindruck folgend, kroch allmählich die Kälte in die müden Leiber. Und was ist der logische Schluss, die Zeit bis 15 Uhr zu verkürzen? Nein, für Bier trinken ist es noch zu früh! Also ging es in ein schnuckliges Café zu Cappuccino und Prekmurska Gibanica: Ein slowenischer Kuchen mit vier verschiedenen Füllungen!

Die Zeit schritt fort, die Eskimos waren bereits in ihrem Iglu verschwunden und kleine rote Kugeln, die in der Erde wachsen, wurden nicht gefunden. Es konnte allmählich eingecheckt werden. Zurück zum Bahnhof, wo die Tasche unter den monotonen Očje-Očje-Očje-Očje-Klängen der Züge aus seinem einsamen Dasein befreit und zurück an den Fuß der Burg bugsiert wurde. Hallo Schwester von Iryna. Nachdem die Formalitäten sowie die Vorzüge Berlins, Leipzigs und Darmstadts geklärt waren, konnte sich nun endlich dem Wesentlichen gewidmet werden: Das Eintauchen in die Stadt. Natürlich erst nach einem ausgedehnten Nachmittagsschlaf.

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Es dämmerte allmählich und die Straßen füllten sich. Denn es ward Wochenende. Herausgestolpert vorbei am Fluss Ljublanica wurde schnurstracks der nächstbeste Weg zum Weihnachtsmarkt angesteuert, der heiße Glühwaren über der Holzkohle feilbot. Sowohl in Wein- als auch in Hackform. Also musste zugeschlagen werden. Den folgenden Glühwein hätte Frank Rosin nicht besser hinbekommen: Er hantierte den Abend zuvor in seiner fragwürdigen Ich-helfe-dir-aus-der-Küchenmisere-Fernseh-Show mit Anis herum – und genau diese Zutaten waren Bestandteil des Warmgetränks. Prädikat: Lecker.

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Auf der Streif da gibt’s koa Sünd

Der Samstag wurde zunächst ausgiebigst genutzt, um das vortägliche Schlafdefizit auszugleichen. Und so ging es erst um die Mittagszeit zur Frühstücksjagd: Pfefferminztee mit American Beef-Panini. Zwei Verdachte erhärteten sich: Der Slowene mag gern durchgepresstes Fleisch. Und der Slowene ist unfassbar freundlich und zuvorkommend.

Frisch gestärkt wurde die Kamera aus der Herberge geholt und losgezogen. Bei strahlendem Sonnenschein und Eiseskälte entlang der Ljubljanica durch die wunderschöne Altstadt. Parallel immer wieder Aufwärmen in diversen Läden, die sonst nie besucht worden wären. Ein kurzer Abstecher in den Zentralmarkt, um sich einen Überraschungskäsekuchen kredenzen zu lassen, der mit einem Avocado-Trüffel daher kam. Oder Menschen zu entdecken, die mit ihrer Ente (also einer richtigen, nicht die zum reinpieseln!) spazieren gehen.

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Abendlicht zog auf und hoch droben über der Stadt wartete die Burg darauf, bestiegen zu werden. Also noch einmal tief durchatmen, die Steigeisen anlegen und ab dafür. Belohnt mit einem Sonnenuntergang präsentierte sich Stadt in schillernden Farben und dem Beweis, warum sie zu den lebenswertesten Städten der Welt gehört. Denn am Horizont eröffnete sich ein wunderbares Bergpanorama.

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Der aufmerksame Leser wird von meiner Schwärmerei des Cafés Gujžina mitbekommen haben, Stichwort slowenischer Kuchen mit vier verschiedenen Füllungen. Dieses Café hat ein angeschlossenes Restaurant, welches bereits am Vortag meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Auf der Speisekarte gab es Dödöle und ich musste von der großen Unbekannten naschen. Im Restaurant wird authentisch slowenisches Essen serviert und so standen am Ende eine Rinderkraftbrühe, feinster Gulasch im Kupfertöpfchen sowie besagte Dödöle – eine Art Kartoffelpampstasche im Konsistenzbereich Wandspachtelmasse – und geräucherte Würstchen auf dem Tisch.

Um dem gesättigten Magen etwas Gutes zu tun, wurde dieser mit weiteren Bieren gefüttert und in die slowenische Subkultur eingetaucht. Weniger Sub und noch weniger Kultur, aber dafür mit mehr betrunkenen Menschen, heiterem Liederraten und harten Türstehern. Vor einem Pub! Genug der Kultur für den Tag. Daher wird an dieser Stelle der nette Gebrannte-Mandel-Verkäufer mit seinem ersten Berlin-Erlebnis, als er einen Mann im Nonnenkostüm untenrum nackt auf dem Fahrrad sah, verschwiegen.

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Autonomie wird großgeschrieben

Sonntag ist Schontag. Zumindest für das alternative Zentrum Ljubljanas. Metelkova ist eine ehemalige Kaserne und wurde Anfang der 90er Jahre besetzt. Mittlerweile ist daraus ein Kulturzentrum entstanden mit Bars, begraffititen Fassaden und Kunst. So stand es jedenfalls auf dem Stadtplan. Und dort stand auch der falsche Ort, wo es sich befinden sollte. Also wurde der Plan verworfen (Also der, den Ort zu besuchen. Nicht den Stadtplan.) und es ging stattdessen in den größten Park Ljubljanas: Dem Tivoli-Park samt angrenzendem Stadtviertel.

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Müde Leiber dürsten nach Stärkung. Und so endete der Tag im Café Cacao unter dem Heizpilz – man will sich schließlich keine Blasenentzündung holen! – bei delikatem Pistazienkuchen und heißer Kouvertüre. Die Nacht brach ein, Entzündungen aus und es sollte noch ein Dinner zu sich genommen werden. Ich sprach bereits von der Affinität des Slowenen zu Hack. Diese Bulette wird in einer Art Fladenbrot gereicht, dazu gibt es Sauerkraut. Jedoch Obacht! Begehe nie den Fehler, dieses Kraut im Brot zu bestellen. Denn das verkaufen wir so nicht! Wie dem auch sei…

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Ljubljana, du Charme-Bolzen

Fazit von 3 Tagen Ljubljana: Die Stadt ist eine wahre Perle. Durch die Lage Sloweniens zwischen Österreich, Italien und Kroatien gibt es viele Einflüsse, die sich auch im Stadtbild wiederfinden. Mediterranes Flair wechselt sich ab mit österreichischem Schick, dazu überall freundliche Menschen und keine Hektik auf den Straßen. Überhaupt ist die Stadt sehr ruhig, was unter anderem daran liegt, dass die Innenstadt komplett autofrei ist. Hinzu ist überall Musik. Allein in der Straße Stari Trg sind überall an den Fassaden Lautsprecher installiert, die den ganzen Tag gedämpfte klassische Musik spielen. Dies verleiht Ljubljana eine ungeheure Eleganz und Charme.

Ljubljana

Wie schön mag diese Stadt erst im Sommer sein? Ich möchte mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber würde behaupten: Ich habe mich verliebt. Hvala Ljubljana! Ljubl(juteb)jana. ❤ Let’s get physical.

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