Ein Spaziergang in der Waldstadt mit explosiven Bäumen

Lesedauer: etwa 4 Minuten

Turbulente Tage in Österreich und ich kann noch nicht einschätzen, was den Wiener mehr granteln lässt. Nachdem die Gazetten die letzten Tage durchweg fabulierten „Die Ampel ist orange. Wie geht’s nun weiter?“ hat die deutsche Bundesregierung gestern Nägel mit Köpfen gemacht und der Stadt das Zeugnis des Risikogebiets ausgestellt.

Dem nicht genug trendeten die Hashtags #forestcities und #explosivetrees, nachdem Donald Trump in einem Interview sagte, dass „In Europa haben sie ‘Wald-Städte’. Schauen Sie auf Länder wie Österreich, schauen Sie auf so viele Länder, sie leben im Wald, diese werden als ‘Wald-Städte’ angesehen, so viele gibt es. Trotzdem gebe es dort nicht so schlimme Waldbrände wie in Kalifornien, dabei gebe es in Europa explosivere Bäume.“ was schließlich ebenfalls des Volkes Seele hochkochen ließ – diesmal auf humoristische Art.

Zurück zum Tagesgeschäft.

Mein Plan sah diesmal vor, die opulente Ringstraße entlangzuflanieren. Bestenfalls mit Gehrock, Melone und Spazierstock. Es wurde dann doch nur die Jeans, meine ausgewaschene Batschkapp und der Freihandgang. Und auch nur ein Viertel des Rings, denn ich konnte nicht umhin, an der Urania zum Donaukanal hinabzusteigen und dort meinen Spaziergang fortzusetzen. Die Ufer säumen zahlreiche Graffitis, Street Art, Strandbars bzw. Bars auf anliegenden Schiffen; ein grandioser Kontrapunkt zur ansonsten recht mondänen Inneren Stadt.

Donaukanal
Donaukanal
Donaukanal

Am Schottenring las ich dann ein Schild, was den Weg zum Augarten wies. Davon habe ich schon etwas gelesen, vor allem weil es in diesem Park zwei Hochbunker gibt, die zum Schutz der Wiener Innenstadt 1944 erbaut wurden. Also hin da! Ziemlich bizarr stehen sie inmitten des beblümten und bewaldeten Grüns und außer mir interessierte sich offensichtlich niemand dafür. Und auch ansonsten zieht langsam der Herbst in die Stadt.

Augarten
Augarten
Augarten
Augarten
Augarten

Was das Durchstreifen von Städten betrifft, bin ich ein ziemlich rastloser Geist und ändere Pläne schnell. Sie wissen: Das Vorhaben, den Ring zu beschreiten wurde jäh unterbrochen. Und eigentlich hätte ich es im Augarten gut sein lassen können und es mir in einem Kaffeehaus gemütlich machen. Doch: „Wenn du schon mal hier bist, kannst du auch gleich weiter zur Donau laufen“, sprach’s und befand sich eine halbe Stunde und mehrere Gleisüberquerungen später am Fuß des Fluß (lieber auf den korrekten Genitiv als auf einen albernen Witz verzichten). Majestätisch fließt sie, grün gefärbt, am Horizont die Skyline der Donau City. Rasten und ca. 30 Minuten einwirken lassen, bevor man sich entfernt.

Kartoffeln
Gleise in Wien
Donau City

Der Weg zurück gestaltete sich ähnlich planvoll wie die restlichen davor. Das Hundertwasserhaus verpasste ich knapp durch falsche Straßenwahl und so kam ich wieder dort raus, wo ich zunächst wissentlich falsch abbog: An der Urania. Ist das nicht toll?

Urania
Mandala
Wien
Wien

Und so machte ich mich wieder schnurstracks auf den Nachhauseweg, wo mich der digitale Alltag wieder heimsuchte. Denn ich bin ja nicht ausschließlich hier, um Urlaub zu machen: Irgendwie muss das dekadente Leben aus Eitriger, Einspänner und Dosenbier ja finanziert werden. Bleibt gesund und Bussi Bussi.

Kneipe

2 Comments

  1. Hippe 17. September 2020

    Hey, was für ein erfrischender Bericht! Die Fotos sprechen für sich.. die Bunker..und schwarz/weiß.. genau mein Ding.. genau wie die wunderschöne Allee.
    Ich glaube, solltest du dich Mal wieder für diverse Wandverkleidungen entscheiden müssen.. schwierige Entscheidung.
    Auf den nächsten Berichte!

    LG die hippe

  2. Olaf 17. September 2020

    Was für erfrischende Wortwahl erneut.Es ist jederzeit eine Freude, Deine Erkundungen in Wort und Bild erleben zu dürfen. Danke dafür ubd ein dickes Bussi

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