Ein Freund des Hummus’

Lesedauer: etwa 3 Minuten

Der erste Arbeitstag in Remote. Die Aufregung davor kann es nicht gewesen sein, weswegen ich seit 2 Uhr wach lag und mir die Zeit bis zum Morgengrauen mit dem Schauen von Serien tot schlug. Der Kopf wollte einfach nicht zur Ruhe kommen. Wie auch immer.

Glücklicherweise ist Tel Aviv eine Stunde voraus, weswegen die künftigen Morgenmeetings nun erst 10:00 Uhr Ortszeit stattfinden. Also habe ich schon eine Stunde Zeitvorsprung. Zeit genug, die frisch erworbenen Kaffeebrühtechniken anzuwenden und die einsamen Eier aus dem Kühlschrank zu befreien. Mit der frisch getankten Koffein- und Eiweiß-Energie wurde ich via Skype ins Meeting dazugeschaltet, die aktuellen Themen des Tages ausgetauscht und es ging frisch ans Werk. Da es vormittags ziemlich kühl und bewölkt war, zog ich mich ins Apartment zurück und arbeitete von dort aus.

Frühstück bei der Arbeit

In weiser Voraussicht habe ich von zu Hause ein Apple TV mitgebracht, so dass ich nicht auf den Luxus eines zweiten Monitors verzichten muss. Das sieht dann in etwa so aus:

Zweiter Bildschirm

Gegen Mittag kam Danny, der Handwerker, vorbei. „Nice shoes“ entgegnete er grinsend zu meinen warmen modischen Fußwärmern und brachte irgendetwas mit schwerem Gerät an die Wand an. Kurz nachdem er gegangen war, klopfte es erneut an der Tür. Danny stand wieder davor und fragte, ob ich schon etwas gegessen habe und ich Bock auf Hummus habe. Es stand die Wahl zwischen okayem Hummus vom Carmel Market oder fantastischem Hummus. Hunger hatte ich noch keinen, aber wollte unbedingt den laut eigener Aussage besten Hummus der Stadt essen. Also gingen wir durch’s angrenzende Viertel Kerem Ha Teimanim direkt zu „Humus – the son of the syrian

Was ist denn gegen diese Schuhe einzuwenden?

Auf dem Weg dahin erzählte Danny davon, dass er »mein« Apartment gebaut habe, von seiner russischen Vergangenheit, seinen Kindern, dass er mit 6 Jahren nach Tel Aviv kam und sein jüdischer Großvater mehrere Monate in deutscher Gefangenschaft war. Freundlich aufgenommen nahmen wir draußen Platz und bestellten jeweils einen Teller Hummus und ein Malzbier. Also Danny übernahm das als Local. Serviert wurde eine Schale rohe Zwiebeln, grüne Peperoni (Oder war es Paprika? Ich habe mich jedenfalls nicht herangetraut.) und jeweils besagter Hummus. Danny verriet mir, dass es hier die Besonderheit ist, dass der Kichererbsenbrei zusätzlich noch mit leicht pürierten dicken Bohnen getoppt wird. Das macht es nochmal schmackhafter. Und er behielt sowas von recht. Ich bin kein großer Hummusfreund, aber diese Geschmacksexplosion schreit eindeutig nach mehr. Garniert mit einem wunderbaren Öl, Kräutern und Paprikapulver tauchte ich die beigereichte Pita genussvoll in den Brei und genoss jeden Bissen.

Tüchtig beknoblaucht stellten wir lachend fest, heute keine Frau mehr zum Tanz ausführen zu können und einen kurzen Rückweg später trennten sich unsere Wege: Danny widmete sich Elektroleitungen im Haus und ich verrichtete mein weiteres Tagwerk bis zum Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang nach Feierabend

2 Comments

  1. conny 18. Februar 2019

    Coole Schuhe, muss man neidlos anerkennen. :-)
    Der Bericht ist wieder das Kapitel eines »Märchens«, worauf man sich jden Tag auf’s Neue freuen kann.
    Und die Menschen dort, egal welcher Herkunft, scheinen echt eine andere »Hausnummer« zu sein..

    lg die hippe

  2. […] wieder. Möchte man dem Handwerker Eintritt in die Wohnung gewähren, sitzt man mittags mit ihm vor einem Teller Hummus und redet über die Familie. Steht der Gastgeber vor der Tür und fragt, wie es einem geht, trinkt […]

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